Sie befinden sich hier

Die Alpakafaser

Inhalt

Die Geschichte der Alpakafaser

Alpakafaser ist einer der wertvollsten Fasern, die in der Natur zu finden sind. Bereits die antiken Inka-Zivilisationen erkannten die Besonderheit der Alpakafaser und domestizierten die Tiere, die ursprünglich von den noch in freier Wildbahn lebenden Vikunjas abstammen.

Die Zuchtbemühungen der Inkas waren sehr erfolgreich, die Schur eines Alpakas produziert mit bis zu 6 kg Vlies pro Jahr ein Vielfaches des Ertrages eines Vikunjas. Auch die Farbvielfalt der Alpakas und der niedrige Deckhaaranteil sind den Inkas zu verdanken. Die Alpaka-Herden der Inkas waren streng farbig getrennt – die Züchter achteten bereits damals auf ein feines, gleichmäßiges Vlies der Tiere.

Wie wird die Qualität der Alpakafaser bewertet?

Die generelle Qualität der Alpaka-Fasern ist vor allem beeinflusst durch genetische Einflüsse. Doch auch das Alter des Tieres und äußere Einflüsse, wie Krankheit oder die Ernährung, können sich in der Faserqualität niederschlagen.

Die beiden Alpaka-Typen lassen sich zunächst einmal durch „crimp“ – also die Kräuselung der Faser (beim Huacaya) und „Curl“ – die Lockenbildung (beim Suri) bewerten. Ein gemeinsames Bewertungsmerkmal beider Alpaka-Sorten ist die Feinheit der Fasern.

Die Feinheit wird durch den Durchmesser der Faser bestimmt. Zur Analyse wird ein 5 cm großes Haarbüschel des Alpakas im Labor ausgewertet. Das Ergebnis hilft dem Züchter, die Qualität und damit den Wert der Alpakafasern zu ermitteln. Das Testergebnis wird mit einem Faserhistogramms ausgedrückt, das die durchschnittliche Feinheit, die mittlere Abweichung, den Variations-Koeffizienten und den Haaranteil mit einem Durchmesser von über 30 Mikron in Prozent enthält. Die Maßeinheit „Mikron“ entspricht einem Tausendstel Millimeter.

Die durchschnittliche Feinheit wird mithilfe des Durchschnittswertes der etwa 2.000 Haardurchmesser ermittelt. Die Abweichung vom Durchschnitt der Faserprobe wird in der mittleren Abweichung ausgedrückt. Der Koeffizient der Abweichung ist quasi der Faktor der Abweichung in Prozent und berechnet sich, indem die mittlere Abweichung durch die durchschnittliche Feinheit geteilt und dann mit 100 multipliziert wird. Ein niedriger Koeffizient und eine niedrige mittlere Abweichung sprechen für eine besonders homogene Faser und damit für einen geringen Kratzfaktor.

Vereinfacht lässt sich über die Qualität der Alpakafaser festhalten, dass ein Wert unter 20 Mikron besonders fein ist, während ein Wert über 30 Mikron eher für eine grobe Faser spricht.

Die Faserindustrie in Peru unterscheidet zwischen 5 Feinheitsstufen der Alpakafaser:

Royal: unter 19 Mikron
Baby Alpaca: 19 - 21,9 Mikron
Superfine: 22 – 24,9 Mikron
Fine: 25 – 27,9 Mikron
Alpaca: 28 – 30 Mikron

Was macht die Alpakafaser so besonders?

Das Alpaka-Züchter auf die Qualität der gewonnenen Wolle schwören hat nicht nur werbliche Gründe, sondern liegt vor allem in der Natur der Sache: Die Alpakafaser kombiniert viele nutzbringende Eigenschaften und ist so insbesondere der weiter verbreiteten Schafswolle überlegen. Negative Merkmale sind praktisch nicht zu finden.

Alpakafasern sind außergewöhnlich weich und bieten einen hohen Tragekomfort. Selbst bei vergleichbarem Faserdurchmesser fühlt sich Alpakawolle angenehmer und flauschiger an, als Schafswolle. Der Grund liegt in der speziellen Beschaffenheit der Alpakafaser. Grundsätzlich setzt sich ein Haar aus verschiedenen ineinandergreifenden Schuppen zusammen. Beim Übergang von einer Schuppe zur nächsten entsteht ein Absatz, den man wiederum als Schuppenhöhe bezeichnet. Die Höhe der Schuppen beim Schaf beträgt etwa 0,8 Mikron – beim Alpaka lediglich die Hälfte. Alpaka-Wolle ist daher deutlich weicher.

Eine weitere Besonderheit ist die Farbgebung. Es gibt Alpakas in 22 verschiedenen Farben und bis zu 60 Farbschattierungen – mehr als jedes andere Fasertier auf der Welt besitzt. Durch eine Mischung verschiedenfarbiger Fasern kann darüber hinaus eine große Farbpalette angeboten werden.

Außerdem ist die Faser der Alpakas  sehr stark und widerstandsfähig. Auch bei dünneren Fasern bleibt dieses Charakteristikum erhalten, so dass sich Alpaka-Fasern hervorragend für die industrielle Verarbeitung eignen. Der ursprüngliche natürliche Lebensraum der Alpakas in kalten, hohen Gegenden hat für eine höhere thermische Kapazität der Fasern gesorgt. Alpaka-Fasern haben winzige Lufttaschen und verfügen dadurch über besondere klimatische Eigenschaften – sie wärmen in kalter Umgebung und leiten überschüssige Wärme weiter, so dass man in Alpaka-Kleidung deutlich weniger schwitzt, als z.B. in synthetischen Stoffen.

Alpaka-Wolle lässt sich nicht nur leicht färben, das Material verfügt zudem über einen außergewöhnlichen Glanz, der die Alpaka-Kleidungsstücke auch optisch reizvoll macht. Einen besonderen Glanz haben dabei die Fasern des Suri-Alpakas.

Alpaka ist kompatibel mit sogenannten worsted (Kammgarn) und woolen Manufaktursystemen. Die Faser des Huacaya-Alpakas lässt sich zudem auch sehr leicht von Hand verspinnen. Die robuste, widerstandsfähige Qualität der Faser ermöglicht langlebige, komfortable Kleidungsstücke. Alpaka-Wolle lässt sich leicht und vor allem ohne Verwendung von Chemikalien reinigen. Die elektrostatische Aufladung anderer Wollsorten tritt beim Alpaka nicht auf.

Bemerkenswert ist auch der hohen Ertrag an sauberer Wollfaser nach der Verarbeitung, der mit bis zu 95 % der geschorenen Rohwolle deutlich über dem von Schafswolle liegt. Die Weiterverarbeitung von Alpakawolle ist deutlich einfacher als von anderen natürlichen Fasern, denn Alpaka-Fasern verfügen über einen geringeren Fettanteil und müssen nicht enthaart werden, wie z.B. Cashmere oder Kamel.

Weltweit werden bislang nur 5000 Tonnen Alpakafasern im Jahr gewonnen, was etwa einem Tausendstel der gesamten, produzierten Tierfasern entspricht. Alpakafasern sind daher äußerst rar und äußerst begehrt. Die steigende Nachfrage bei recht geringem Bestand trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass die Alpaka-Zucht in Zukunft ein weiterhin wachsender Markt sein wird.